Umwelt und Rohstoffe
Entwicklung der Rohstoffnachfrage
Der Bundesverband Steine-Erden (bbs) hat die volkswirtschaftliche Bedeutung mineralischer Rohstoffe durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und die Aachener Ingenieurgesellschaft SST analysieren lassen. Danach dürfte die Nachfrage nach primären Steine-Erden-Rohstoffen bei geringer wirtschaftlicher Dynamik mit 555 Mio. t in 2035 nur leicht unter dem Stand von 2016 (564 Mio. t) liegen.
Bei stärkerem Wirtschaftswachstum steigt die Nachfrage auf 650 Mio. t im Jahr an. Zugleich trägt der Einsatz von Sekundärrohstoffen (insgesamt rund 100 Mio. t pro Jahr) zur Ressourcenschonung bei. Mit einer Substitutionsquote von 15 Prozent ist die Branche ein Eckpfeiler der Kreislaufwirtschaft.
Für die Feuerfest-Branche ist eine Versorgung mit mineralischen Rohstoffen über die Raumordnung sicherzustellen. Die überwiegend mittelständischen Unternehmen sind auf eine verlässliche und langfristig planbare Versorgung über die Regionalen Raumordnungen angewiesen.
Rohstoffstrategie und Rohstoffsteuern
Die Feuerfest-Industrie ist über den DFFI Mitglied im Steine-Erden-Verbund. Gemeinsam setzen sich die einzelnen Branchen konsequent für die Verwertung von Sekundärrohstoffen und die Steigerung der Biodiversität ein. Im Gegenzug ist die kapitalintensive Branche auf faire europäische, nationale und regionale Rahmenbedingungen angewiesen.
Im Januar 2020 hat die Bundesregierung die Fortschreibung ihrer Rohstoffstrategie beschlossen. Hierbei unterstreicht sie den Dreiklang von Rohstoffimporten, Recycling und heimischer Rohstoffgewinnung.
Sie würden lediglich die Kosten für die Verbraucher einschließlich der öffentlichen Hand in die Höhe treiben. Darüber hinaus drohen derartige Abgaben den Unternehmen Mittel für Investitionen zur weiteren Steigerung der Ressourceneffizienz zu entziehen.
Weitere Handlungsfelder
Zur Dokumentation der Beiträge, die die Steine-Erden-Industrie zum Schutz der Artenvielfalt leistet, wird in enger Kooperation mit den rohstofffördernden bbs-Mitgliedern eine bundesweite Biodiversitätsdatenbank aufgebaut. Der nachhaltige Ausgleich von Naturschutz und Rohstoffgewinnung kann durch eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen für „Natur auf Zeit“ gestärkt werden. Hierzu haben Bundes- und Landesverbände des Naturschutzbundes NABU und der Steine-Erden-Industrie ein gemeinsames Positionspapier beschlossen.
Darüber hinaus unterstützt der bbs gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und weiteren Institutionen das Netzwerk „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“. Zu den rohstoffpolitischen Aktivitäten gehört auch die Mitarbeit in der „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI), durch die Zahlungsströme zwischen Rohstoffwirtschaft und Staat offengelegt werden. EITI soll der Stärkung von globaler Transparenz und Good Governance dienen.
Klima und Energie
Die Steine-Erden-Industrie gehört mit einem Energiekostenanteil an der Bruttowertschöpfung von durchschnittlich 25 Prozent zu den energieintensiven Branchen. Schon aus Kostengründen hat sie ein hohes Eigeninteresse an der Steigerung der Energieeffizienz, was auch zur Minderung energiebedingter CO2-Emissionen beiträgt.
Der DFFI ist Mitglied im Bundesverband Baustoffe, Steine und Erden (BBS), arbeiten in deren Gremien intensiv mit und bekennt sich zu einem ambitionierten Klimaschutz. Aus industrie- wie klimapolitischen Gründen ist zugleich ein wirksamer Carbon-Leakage-Schutz für die industrielle Produktion unverzichtbar. Dies gilt für den EU-Emissionshandel, die Energiebesteuerung und die EEG-Umlage ebenso wie für Strompreiseffekte des Kohleausstiegs.
Die neue, rein nationale CO2-Bepreisung muss mit einer fairen Entlastungsregelung für kleinere Industrieanlagen verknüpft werden.
Die massiven Investitionen, die zur Dekarbonisierung der Produktion getätigt werden müssen, setzen geeignete Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene voraus. Hier kommt es u. a. auf die Weichenstellungen im Zuge des Green Deal („Fit for 55“) der EU-Kommission an.
Der Sechs-Punkte-Plan umfasst die folgenden Themen:
- Kompensationszahlungen unabhängig von vorhandenen Haushaltsmitteln machen.
- Liquidität für Mittelstand schaffen, durch unmittelbare Abschlagszahlungen.
- Gleichstellung der Entlastung großer Konzerne (Ausgleich durch EU-Emissionshandel) mit den mittelständischen Unternehmen (Ausgleich durch Brennstoff-Emissionshandel).
- Nachträgliche Einbeziehung von Sektoren unmittelbar in Carbon-Leakage-Schutz aufnehmen.
- Anerkennung qualitativer Kriterien zur Emissionsintensität, wenn amtliche Statistiken fehlen.
- Kriterienerfüllende Sektoren unbürokratisch in den Carbon-Leakage-Schutz aufnehmen.
Der Forderungskatalog kann hier heruntergeladen werden:
www.faire-energiewende.de/sechs-punkte-rettungsplan
Zum „Bündnis Faire Energiewende“ zählen neben dem Wirtschaftsverband Deutsche Feuerfest-Industrie e. V. auch:
- Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie BDG
www.bdguss.de - Bundesverband Keramische Industrie e. V.
www.keramverbaende.de - Bundesverband der Energieabnehmer e. V.
www.vea.de - Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e. V.
www.textil-mode.de - Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V.
www.gkv.de - Industrieverband Feuerverzinken e. V.
www.feuerverzinken.com - wdk Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie e. V.
www.wdk.de - WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e. V.
www.wsm-net.de
Die Verbände vertreten branchenübergreifend etwa 10.000 deutsche Unternehmen mit ca. einer Million Beschäftigten und zuletzt etwa 200 Milliarden Euro Jahresumsatz.
Weitere Infos unter www.faire-energiewende.de


Exkurs:
Ein Tag ohne Feuerfest
Um zu verstehen, welche Rolle „Feuerfest“ in unserer modernen Welt spielt, stellen Sie sich am besten einmal vor, wie ein Tag in Ihrem Leben ohne „Feuerfest“ aussähe.
Gestern • heute • morgen
Die Beschäftigung
Seit 2010 ist die Zahl der Beschäftigten in der Baustoff Steine-Erden-Industrie um 6,2% gestiegen. Im Jahr 2012 waren laut Statistischem Bundesamt in der Branche insgesamt gut 125.000 Personen beschäftigt (2019/2018: +1,0%). Mit rund einem Drittel entfiel dabei der größte Anteil auf die Herstellung von Betonerzeugnissen, zu der aufgrund der statistischen Abgrenzung auch nichtkeramische Mauerwerksprodukte wie Kalksandstein und Porenbeton zählen. Anders als das Statistische Bundesamt erfasst die Bundesagentur für Arbeit bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auch diejenigen Erwerbstätigen, die in kleineren Unternehmen beschäftigt sind. Demnach waren 2019 knapp 148.700 Personen in der Steine-Erden-Industrie sozialversicherungspflichtig tätig (2019/2018: +0,9%). Die hohe Differenz zwischen den Zahlen zeigt, dass kleinere Unternehmen einen verhältnismäßig großen Anteil haben.
Feuerfest
In der deutschen Feuerfest-Industrie arbeiten etwa 6.300 Menschen.
Demografischer Wandel in der Steine-Erden-Industrie
Ausgehend von der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind rund 85% der Arbeitnehmer in der Steine-Erden-Industrie männlich (Verarbeitendes Gewerbe: 75%), wobei der Anteil über die Einzelbranchen nur wenig schwankt (81 bis 87%). 93% der Beschäftigten arbeiten Vollzeit; dies liegt leicht über dem Anteil im Verarbeitenden Gewerbe (90%).
Bei Betrachtung des Alters der Arbeitnehmer zeigt sich, dass über 60% zwischen 25 und 54 Jahre alt sind.
Energie
Die Steine-Erden-Industrie ist mit einem Energiekostenanteil an der Bruttowertschöpfung von rund 20% mehr als dreimal so energieintensiv wie das Verarbeitende Gewerbe insgesamt. So erfordern die Brennprozesse unter anderem in der Gips-, Kalk- und Zementindustrie sowie bei der Fliesen und Ziegelherstellung einen hohen Energieeinsatz. Entsprechend betragen die Energiekosten in Bezug auf die Bruttowertschöpfung in diesen Subsektoren bis zu einem Drittel.
Die eingesetzten Energieträger variieren je nach Branche und umfassen etwa Kohle und Erdgas, aber auch Sekundärbrennstoffe. Für das Brechen und Mahlen von Gestein oder Zementklinker werden darüber hinaus erhebliche Mengen elektrischer Energie benötigt.
Energieverbrauch
In den vergangenen Jahren hat sich der Energieverbrauch in der Steine-Erden-Industrie verglichen mit der Produktion unterproportional entwickelt. So ist die reale Produktion zwischen 2010 und 2018 um knapp 11% gestiegen. Der Energieverbrauch hat im gleichen Zeitraum um gut 5% zugelegt.
Die Branche konnte ihren spezifischen Energieverbrauch also senken, wenngleich die wesentlichen Hebel zur Erhöhung der Energieeffizienz weitestgehend realisiert sind. Teilweise sind gegenlaufende Effekte zu berücksichtigen:
So kann der Einsatz moderner Umwelttechnik etwa bei Filteranlagen auch höhere Energieverbräuche mit sich bringen.
Feuerfest sagt „Ja“ zur Energiewende
In der energieintensiven Feuerfest-Industrie werden hauptsächlich Erdgas und Strom als Energieträger eingesetzt, zur Aufbereitung der Rohstoffe, der Formgebung und Verpackung.
Mit einer fairen Energiewende kann auch die mittelständische Branche mit ihren kleinen und mittleren Unternehmen ihre Produktionsprozesse umstellen und in Klimaschutz investieren. Dafür sind verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und Arbeitsplätze sichern können.

